Spezifische Planungsgrundsätze für LWL-Netze in Tirol

18.12.2019
Spezifische Planungsgrundsätze für LWL-Netze in Tirol

Das Land Tirol und das BMVIT unterstützen den Breitbandausbau in Tirol großzügig. Als Teil dieser Unterstützung werden auch Leitfäden für die technische Umsetzung erstellt.

Der „Planungsleitfaden Breitband“ (BMVIT, 2018) gibt hier einen besonders guten Überblick. Laut Grafik 1 wird das Netz dabei in Backhaul, Ortszentrale, Faserverteiler, Feeder und Drop gegliedert:

Backhaul: Der Planungsleitfaden gibt für den Backhaul vor, dass es sich um ein Kabel mit mindestens 72 Fasern zu handeln hat. In Tirol kommen zu diesen Fasern noch jene, die ggf. für die TIWAG / TIGAS einzurechnen sind, hinzu. Außerdem wird in Tirol definiert, dass das Backhaul-Kabel stets unterirdisch zu führen ist und nicht durch einen Kasten durchgeführt werden darf. Das macht in vielen Fällen den Einsatz von Schächten nötig. Ein LWL-50-Rohr ist einem Minirohrverband vorzuziehen.

Ortszentrale: Hinsichtlich der Ortszentrale formuliert der Leitfaden, dass dieser „…entweder in einem gesicherten Raum in einem Gebäude oder in einem Container oder Fertigbeton-Gebäude…“ unterzubringen ist. Ergänzend dazu ist aus Sicht der BBSA wichtig, dass er sich auf öffentlichem Gut befindet, oder zu einer auf Dauer im Gemeindeeigentum stehenden Liegenschaft zählt, weil eine spätere Verlegung enorme Kosten verursacht. In jedem Fall ist der ODF (Optical Distribution Frame) in der Ortszentrale auf eine 100%ige Take-Rate im Vollausbau des Einzugsgebietes (meist das Gemeindegebiet) zu dimensionieren. Für das aktive Equipment sind entsprechend ausreichende Höheneinheiten vorzusehen. Es ist nicht nötig, für jeden einzelnen Provider einen eigenen Schrank vorzuhalten.

Feeder: Im Gegensatz zum Backhaul wird im Feeder der Einsatz von Multitubes empfohlen, da diese wesentlich flexibler eingesetzt werden können als ein LWL50 und in Summe höhere Faserkapazitäten bieten. Für die Dimensionierung der Feederkabel war bisher der „Planungsleitfaden Breitband“ ausschlaggebend. Nach Intervention durch die BBSA beim BMVIT konnt Konsens erzielt werden, dass die dort gestellten Forderungen hinsichtlich Fasernzahl zu einer unnötigen Überdimensionierung geführt haben. Künftig bedeutet das, dass für Wohneinheiten nur mehr eine statt zwei, für Kleinstunternehmen eine bis zwei statt vier und für KMUs vier statt bisher zwölf Fasern vorzusehen sind. Dies ermöglicht es, die Netze signifikant schlanker zu dimensionieren. Dadurch sind hohe Einsparungen möglich, die Förderwürdigkeit bleibt dabei voll erhalten. Um für alle künftigen Eventualitäten gerüstet zu sein und flexibel auf wachsenden Bedarf reagieren zu können, empfiehlt die BBSA, analog zur Faserreserve auch eine Röhrchenreserve vorzusehen.

Faserverteiler (Verteilerkästen und -schächte): In einem Faserverteiler werden keine aktiven Komponenten verbaut sondern lediglich Bündel und Fasern aufgeteilt. Die BBSA betont hier, dass pro Verteiler stets ganze Faserbündel einzuplanen sind – die Aufteilung eines Faserbündels auf mehrere Kästen ist nicht zielführend.

Drop: Dieser Abschnitt des Netzes führt vom letzten Verteiler bis zum Kunden. Er kann mit Röhrchen von 7mm oder 10mm Außendurchmesser ausgeführt werden. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Es ist nicht möglich, pauschal festzustellen, welche Dimension der anderen überlegen ist. Von der Dimension unabhängig empfiehlt die BBSA – analog zum Feeder – entsprechende Röhrchenreserven vorzusehen. Pro Wohneinheit wird eine Faser benötigt, bei Häusern mit mehr als einer Einheit kommen zwei Fasern pro Adresspunkt hinzu (Stichwort: Gebäudeintelligenz). Kleinstunternehmen werden mit ein bis zwei Fasern versorgt, KMUs mit vier. Zwölf Fasern sind für Mobilfunkstationen zu kalkulieren. Da deren künftige Standorte (5G) noch nicht definiert werden können, ist es sinnvoll, durch eine Röhrchenreserve flexibel zu bleiben. Dort wo es vertraglich nötig ist, sind auch im Drop die Fasern für TIWAG / TIGAS einzurechnen.

Die neuen Mindestanforderungen für die Dimensionierung sind in der Tabelle 1 nochmals zusammengefasst (der Leitfaden des BMVIT sollte in Kürze an die neuen Anforderungen angepasst werden):

Durch die hier vorgestellten Mindestanforderungen an Glasfasernetze wird sichergestellt, dass getätigte Ausbaumaßnahmen auch für den Bedarf in ferner Zukunft ausreichend dimensioniert sind. Da auch in Mehrfamilienhäusern jede Wohneinheit über eine eigene Glasfaser direkt mit der Ortszentrale verbunden wird, verfügt jeder Kunde garantiert über die allerhöchste mögliche Bandbreite, geringste Latenz und höchste Zuverlässigkeit. Auch das Konzept eines für alle Anbieter offenen Netzes (OAN – Open Access Network) wird durch die Punkt-zu-Punkt Netzarchitektur konsequent umgesetzt. Gleichzeitig wird eine Überdimensionierung durch eine zwingende zweite Faser mit dem daraus resultierenden erhöhten Platzbedarf in der Ortszentrale, den dickeren Feeder-Kabeln und den daraus resultierenden höheren Kosten vermieden.

Für weitere Informationen zu den oben definierten Aspekten steht die BBSA gerne zur Verfügung.

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