Die „Letzte Meile“ in kommunalen Glasfasernetzen

28.07.2020
Die „Letzte Meile“ in kommunalen Glasfasernetzen

In manchen Tiroler Gemeinden ist es noch immer üblich, das kommunale Glasfasernetz bis zu den Grundstücken der potenziellen Endnutzer zu legen und dann darauf zu hoffen, dass diese irgendwann ihren Anschluss bis ins Gebäude verlängern. Erst dann können nämlich diese Bürger zu Kunden werden, indem sie durch einen Provider auf dem Gemeindenetz mit Internet-Diensten versorgt werden – und erst dann tragen sie mit ihren Umsatzanteilen zur Finanzierung des Gemeindenetzes bei.

Diese Vorgangsweise, die wohl aus den kommunalen Erfahrungen mit Infrastrukturen der Daseinsfürsorge wie dem Wasser- oder Kanalnetz herrühren, für welche es im Gegensatz zu Telekommunikationsnetzen jedoch verordnete Anschlusspflichten gibt, ist überholt und ausgesprochen kontraproduktiv. Schließlich ist neben den Kosten der Netzerrichtung die einzige relevante Kennzahl für die Wirtschaftlichkeit eines LWL-Netzes die Anschlussrate bzw. Take-Rate, die bewirkt, ob ein Netz in einem vernünftigen Zeitrahmen von ca. 20 – 30 Jahren amortisiert werden kann – oder eben nicht. Die Anschlussraten der Tiroler Gemeindenetze liegen bisher weit unter ihrem Potenzial – von einigen löblichen Ausreißern mal abgesehen. Hier wird sehr viel Geld verschenkt. Außerdem wird der Markt nicht für die Provider im Open-Access-Netz der Gemeinde geöffnet. Das teure zukunftsfähige Gemeindenetz entfaltet so nur geringe Wirkung.

Milchmädchenrechnung gefällig? Wenn es gelingt, die Zahl der Netznutzer zu verdoppeln, verdoppelt sich auch der Beitrag, den die Gemeinde zur Refinanzierung (oder für ihr Budget) erhält. Und welche Gemeinde hat schon zu viel Geld?

Conclusio: Die Gemeinde als Netzerrichterin muss alles daransetzen, dass die Glasfaser innerhalb des Gebäudes (FTTB), besser noch innerhalb jeder einzelnen Wohnung (FTTH) endet, damit sie durch die diversen Provider auf dem OAN-Netz auch tatsächlich genutzt werden kann. Ein Leerrohr, das irgendwo am Gartenzaun endet (Home passed), ist genauso viel Wert, wie wenn überhaupt kein Netz existiert. Die Praxis zeigt – durchaus nachvollziehbar – dass nur wenige Kunden (vor allem, wenn sie nicht Eigentümer des zu erschließenden Objekts, sondern nur Mieter sind), sich die Arbeit einer Verlegung durch den Vorgarten („Das Blumenbeet ist doch gerade so schön!“), die Bohrung einer Hauseinführung („Wird die jemals wieder dicht sein?“) und die fachgerechte Montage einer OTO-Dose im Keller („Wo soll die hin? Wie geht’s von dort weiter?“) zeitnah antun wollen. Die machen das dann halt irgendwann. Und irgendwann bedeutet meistens niemals – vor allem, wenn es das bisherige Internet ‚eh tut‘.

Die BBSA hat daher ein Prozedere mit den dafür notwendigen Abläufen und Dokumenten entwickelt, damit die betroffenen Objekteigentümer optimal über den Wert eines Glasfaseranschlusses informiert werden und diesen dann entweder wirklich selber herstellen (es gibt ja doch ein paar enthusiastische Heimwerker) oder subsidiär die Gemeinde fix mit der Herstellung des FTTB/FTTH-Anschlusses beauftragen (Home connected). Idealer Weise ist damit auch gleich ein Vertrag über ein Breitbandinternetpaket mit einem der Partnerprovider verbunden (Home Activated).

Ab dem kommenden Herbst werden wir, wenn es die Rahmenbedingungen erlauben, damit in die Tiroler Gemeinden gehen und diesen bei der Steigerung ihrer Anschlussraten unter die Arme greifen. Über Format und Eckdaten dieser Roadshow werden wir noch ausführlich informieren. Bis dahin steht das BBSA-Team den Tiroler Gemeinden natürlich wie gewohnt mit Tipps, Rat und Tat jederzeit (kostenlos) zur Verfügung.

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